Installation einer größeren Freiflächen-Photovoltaik-Anlage (FPVA) in der Feldmark südlich Satrup

an die Gemeinde Mittelangeln über Bürgermeisterin Frau Lang

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Sehr geehrte Frau Lang,

in der Oktoberausgabe der Mittelangelner Rundschau war von Ihnen über die Bitte zum Anstoßen einer vorhabenbezogenenen Bebauungsplanung hinsichtlich Installation einer größeren Freiflächen-Photovoltaik-Anlage (FPVA) in der Feldmark südlich Satrup berichtet worden und Sie hatten Pro- und Contra-Stichpunkte genannt.

Der Naturschutzverein im Amt Mittelangeln begrüßt sehr, dass die örtliche Bevölkerung und Interessierte so früh im Vorfeld eingebunden werden und Sie in dem Informationsschreiben bewusst nach Einschätzungen fragen!

Aus Sicht des Vereins möchten wir Ihnen zu der FPVA folgende Gedanken mitteilen:

Der Verein sieht die Planung einer solchen Anlage ambivalent, steht dem Vorhaben aber grundsätzlich konstruktiv-offen gegenüber.

Dieser grundsätzlichen Einschätzung ging eine Abwägung verschiedener Aspekte voraus. Des Weiteren ist sie mit Fragen und Forderungen verbunden.

Hintergrund für die Option der FPVA ist der Rückbau der vier, ca 20 Jahre alten Windkraftanlagen (WKA) auf dem gleichen Gelände. 

Bevor eine offene Feldfläche überbaut wird, sind alle Gedanken/Möglichkeiten von Alternativen innerhalb der geschlossenen Siedlungsflächen zu überlegen/zu prüfen. Im Sinne des EEG zu Konversions- und Vorzugskulisse fordern wir z.B. die generelle Auflage, bei Neubauten aller Art eine Dachflächen-PV-Pflicht umzusetzen. Ebenfalls alle Gewerbegebäudedächer und -Offenflächen auf die Möglichkeit von PVA zu prüfen und einzubeziehen. Bei einer Siedlungsdynamik wie in Mittelangeln ist es sehr schade, dass solche Chancen bisher ungenutzt blieben.

Laut Angaben der Agentur für Erneuerbare Energie gibt es in S-H ein bisher ungenutztes Potential von knapp 3000 Mill. kWh Dachflächen-PV. Hier fordern wir die Politik auf, sich einzusetzen.

Die langfristige Landschafts- und Siedlungsplanung der Gemeinde sollte einbeziehen, welche weiteren Entwicklungen im Gemeindegebiet in den nächsten Jahrzehnten anstehen könnten und wie in der Gemeindefläche Verzahnung und Vernetzung von ausreichend breiten/großen ökologisch wertvollen/notwendigen und für die Erholungswirkung wichtigen Bereichen gesichert ausgewiesen sind und ob dies mit einer FPVA im Esmarkfeld kollidiert. Wichtige ökologisch wertvolle Flächen im Nahbereich sind das FFH-Gebiet Rehbergholz-Schwennholz und Hechtmoor (gleichfalls NSG) sowie der Esmarkholmer Wald und diese Flächen verbindende Knicks und Extensivflächen.

Biotopverbund findet nicht nur terrestrisch statt. Verbindet man die beiden naturschutzfachlich-ökologisch hoch wertvollen Flächen Hechtmoor und Satrupholmer Moor, so liegt die Fläche Esmarkfeld direkt auf dieser Linie. Flug(-Wasser-)insekten, die zwischen den Flächen pendeln oder diese aufsuchen, können durch den optischen Eindruck, die Module seien Wasserfläche, dort aufschlagen und es ergäbe sich ein bisher nicht wissenschaftlich untersuchter Einfluss auf die Populationen dieser Arten.

Sollte es zu einer Planung/Umsetzung der angedachten FPVA im Esmarkfeld kommen, so wären folgende Hinweise aus unserer Sicht zu beachten:

Irgendwann ist eine PVA zu reparieren/rückzubauen/auszutauschen. Wie würde dies geschehen und wie erfolgt ein Recycling?

Auch eine FPVA wirkt negativ auf das Landschaftsbild, jedoch wäre eine Umfangbepflanzung mit ausreichender Tiefe, ausreichend hohen, einheimischen, z.T. wintergrünen Baum- und Straucharten eine geeignete Möglichkeit, das Landschaftsbild zu erhalten, da die FPVA hinter den Pflanzungen optisch verschwindet. Von den Pflanzungen ist ein ausreichender Abstand der Module einzuhalten, damit typische Tier- und Pflanzenarten diese bestockten Streifen besiedeln können. Die Streifen müssen so gepflegt werden, dass die Blickdichtigkeit von Sichtachsen (Straßen/Wege) auf das Gelände der FPVA erhalten bleibt (also kein auf-den-Stock -setzen, sondern selektive Baum-/Strauchentnahmen).

Der Abstand der PV-Module sollte so groß sein, dass die Zwischenbereiche für eine Besiedlung durch verschiedene Pflanzen- und Tierarten möglich und interessant werden. Eine vollständige Überschattung würde diese Forderung nicht unterstützen. Als Leitarten sind hier Feldlerche und Rebhuhn zu nennen. Fahrwege zur Unterhaltung in der PVA-Fläche sollten möglichst breit sein, da dort thermophile Arten (u.a. Insekten, Reptilien) ökologische Nischen finden können.

Die Fläche ist vor dem Verbau möglichst mit Regiosaatgut einzusähen, um in Verbindung mit natürlicher Sukzession artenreiches Wertgrünland zu entwickeln.

Vernässungspotentiale (bisher durch Drainage entwässerte Senken) sollten vom Modulverbau ausgespart bleiben, um hier natürliche Sukzession nach Rücknahme der Drainagenwirksamkeit zuzulassen.

Im Bereich der Flächenpflege sind Herbizide und sonstige Pflanzenschutzmittel sowie Düngung auszuschließen. Ob mechanische ( Mahd) oder biologische (Beweidung) Bewuchspflege stattfindet, ist aus unserer Sicht eine nachrangige Frage und hängt auch von der baulichen Situation der Module ab.

Die notwendigerweise einzurichtende Zäunung hat sich neben Anlagenschutz und Verkehrssicherungsaspekten nach den die Fläche nutzenden Arten zu richten (Kleinsäuger, Vogelarten) und darf daher nicht selektiv blockierend wirken. Die Zaunart ist entsprechend zu wählen.

Der Anschluss der FPVA-Flächen an bestehende ökologisch wertvolle Flächen muss gegeben sein, um Migration zu ermöglichen und nicht als Sonderfläche ohne Anbindung isolierend zu wirken. Im Süden grenzt eine Fläche der Stiftung Naturschutz an, die in der Folge das Hechtmoor erschließt. Nach Westen bietet sich eine Senkenfläche an, die die FPVA-Fläche an den Esmarkholmer Wald anschließt.

Diese -nicht abschließend- aufgeführten Gedanken, Hinweise und Forderungen stellt der Naturschutzverein im Amt Mittelangeln auch auf seine Homepage mit dem Angebot an Jedermann, zu kommentieren oder zu ergänzen.

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung. Sollte es zu einer konkreten Planung kommen, würden wir uns gern hinsichtlich der genannten Punkte einbinden und diesbezüglich mit Ihnen und Unterer Naturschutzbehörde konstruktiv in Kontakt bleiben.

Freundliche Grüße, Ihr Naturschutzverein

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