Das Satrupholmer Moor
von Manfred Koch

Das Satrupholmer Moor ist ein atlantisches Hochmoor im äußersten Osten des atlantischen Klimakeils. Seine Entwicklung verlief bis zum Jahr 1771, als das Adelsgut Satrupholm parzelliert wurde, wohl praktisch ungestört. Eine Beweidung der sehr nassen Hochmoorflächen wird wohl gar nicht möglich gewesen sein.

Mit der Parzellierung der Gutsfläche wurde auch das Hochmoor an 55 Eigentümer aufgeteilt (Möller 1939/40). Da diese neuen Eigentümer ohne Waldflächen praktisch kein Brennmaterial hatten, wird in der zeit der Torfstich begonnen haben. Um Torf stechen zu können, muss der Wasserstand im Moor durch ableitende Gräben abgesenkt werden – und damit beginnt die entscheidende Veränderung. Die Torfmoose, deren Ansiedlung die Entstehung eines Hochmoores überhaupt erst ermöglicht, benötigen einen Überschuss an Niederschlägen. Dann können sie die extrem wasserspeichernden Polster bilden, die den Zutritt des Luftsauerstoffes in die obere Bodenzone verhindern.

Die wurzellosen Torfmoose wachsen bei diesen Bedingungen jährlich 1 cm. Sie sterben am unteren Ende ab, diese tote Pflanzenmasse zersetzt sich ohne Sauerstoff nicht und so bildet sich jährlich 1mm Weißtorf. (Der Torf der Niedermoore wird als Schwarztorf bezeichnet.)

Diese Entwicklung wird durch wasserabführende Gräben – der Luftsauerstoff kann in die nicht ausreichend wassergesättigten Torfmoospolster eindringen – natürlich stark gestört.

In den Notzeiten ab 1916 und dann wieder ab 1942/43 wurde besonders viel Torf gestochen und dafür die Entwässerung intensiviert. In vielen Bereichen wurde nicht nur der Hochmoortorf sondern auch besonders der darunter liegende Niedermoortorf genutzt, da sein Brennwert erheblich besser ist. Also wurden die Gräben noch vertieft.

In den Jahren 1946-48/49 wurde in einem Bereich der Torf auch maschinell ausgebaggert, etwa 6 m tief. Danach wurde diese Kuhle zunächst unkontrolliert, dann offiziell – wie überall – von 1955 bis 1975 als Müllkippe betrieben.

Der letzte Handtorfstich im Hochmoor erfolgte 1958.

Da die Gräben nicht verfüllt wurden, konnte sich das Moor trotz eingetretenen „Ruhe“ nicht erholen.

In den Jahren 1968/69 wurde die Hochmoorfläche durch einen Ringgraben von den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen getrennt, damit diese besser bewirtschaftet werden können. Hierdurch wurde der Wasserspiegel des Moores zusätzlich beeinträchtigt.

Aber auch alle weiteren Bemühungen scheiterten, letztlich an einem Gutachten. Das dem Satrupholmer Moor die „Würde eines Naturschutzgebietes“ absprach.

Entscheidend war dafür die Mülldeponie und die Befürchtung, das die Abwässer in die Moorfläche eindringen könnten. In diesem gutachten wurde die Vernässung der örtlichen Flächen zwar befürchtet, aber die insgesamt negative Aussage stoppte alle Bemühungen bis 2010.

Die Erkenntnis, das aus den nicht ausreichend vernässten Mooren der BRD mehr CO² entweicht, als der gesamte Luftverkehr in der BRD ausstößt, veranlasste die EU, ein Moorschutzprogramm aufzulegen. In diesem Rahmen können auch auch Vereine vor Ort aktiv werden.

Diese Möglichkeit nutzte der NSV Mittelangeln und erwarb mit der außerordentlichen Unterstützung der Stiftung NS SH und der Naturschutzbehörden im Laufe des Jahres 2011 über 14 ha Moorflächen und im Jahr 2012 sind weiter 8 ha hinzugekommen.

Auch die Stiftung NS SH und die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten stellen ihre Flächen für Maßnahmen, die das Hochmoor erhalten, zur Verfügung. Besonders erfreulich aber ist, das alle verbleibenden Privateigentümer den geplanten Vernässungmaßnahmen zugestimmt haben. Auch ihnen geht es nicht um eine Nutzung - die auch praktisch nicht möglich ist – sondern um den Erhalt des Hochmoores direkt am Dorf.

Um dieses Ziel zu erreichen, ließ die Naturschutzbehörde ein Gutachten erstellen, in dem die Situation des Moorkomplexes dargestellt und auch die alte Deponie berücksichtigt wurde.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden überprüft und in deutlich positiv abgewandelter Form ausgeschrieben. Die optimierten Maßnahmen kamen Ende 2012 zur Ausführung.

Der NSV Mittelangeln konnte durch umfangreiche Wasserstandskontrollen (über 16 Monate) im Hochmoorkomplex und durch Niederschlagskontrollen die Planungen unterstützen. Diese Messungen zeigen, das der große, ohne Entkusselungsmaßnahmen noch weitgehend gehölzfreie Hochmoorkomplex gute Entwicklungschancen hat, wenn der Abfluss des Niederschlagswassers wie geplant durch Torfverwallungen und Abdichtung der Gräben gestoppt wird.

Im Jahr 2013 soll der Rundgang durchs Moor, der diese selten gewordenen Lebensräume dem Besucher zugänglich macht, in einen ordentlichen Zustand gebracht werden.

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Früher war mühevolle Handarbeit beim Torfstechen gefragt