Naturraum Mittelangeln und seine Wälder
von Förster Udo Harriehausen

Der Naturraum Mittelangeln entstand in Folge der Weichselvereisung vor ca. 10.000 Jahren. Die Oberfläche stellt sich als Jungmoräne mit hügeligem Relief, vielen abflusslosen, anthropogen drainierten Senken, Moorbildungen und überwiegend naturfernen meist nach Westen und Süden entwässernden Bächen und kleineren Flüssen (z.B. Bondenau) dar. Die Landschaft ist kleinstrukturiert, sehr stark zersiedelt und überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Lediglich im näheren Satruper Umland liegt der Waldanteil bei knapp 30%, sonst bei ca. 10%.

Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt ca. 800mm/qm.
Aufgrund der Seenähe herrscht eine relativ hohe Luftfeuchte, die Sturmhäufigkeit und –stärke ist ebenfalls erhöht.
Die Höhe über NN liegt bei ca. 15- 40m.
Bodenbildung auf Grund- und Endmoränenlehmen und -mergeln, z.T. mit Sandüberlagerung erbrachte Braunerden, Pseudogleye, Gleye, weniger Parabraunerden und anmoorige Böden.

Die am häufigsten ausgeprägten Waldgesellschaften sind Perlgras-Buchenwald, Flattergrasbuchenwald, Bingelkraut-Buchenwald, daneben Buchen-Eichenwälder, Erlenbrüche, Bach-Erlen-Eschenwälder und Sonderbiotope.
Die Rotbuche befindet sich in Mittelangeln in ihrem ökologischen Optimum und stellt mit ihrer gewaltigen Wuchsdynamik die stärkste und konkurrenzkräftigste Schlusswaldbaumart.

Die Waldbiotoptypen umfassen daher vor allem mesophytische Buchenwälder (z.B. der Rehberger Wald südlich Satrup), bodensaure Wälder (z.B. Teile des Obdruper Waldes) und meist in die größeren Wälder eingegliedert naturnahe Waldgesellschaften (Bruch-, Sumpf-, Auenwälder). Das Nadelholz spielt in Mittelangeln keine große Rolle. In die Laubwaldbestände wurde früher horstweise Nadelholz (Japanische Lärche, Fichte, Sitkafichte, Weißtanne, weniger Kiefer) eingebracht. Im Zuge der Durchforstungen reduziert sich der Nadelholzanteil zu Gunsten natürlicher Baumartenausstattung kontinuierlich.
 
Waldbewirtschaftung:
Es gibt in Mittelangeln Waldflächen verschiedener Eigentümer, so z.B. Kleinprivatwald, Kommunalwald und Wald der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF). Die Waldbewirtschaftung (in den Wäldern der SHLF) erfolgt auf Grundlage des Bundes- und Landeswaldgesetzes, der Waldbaurichtlinie der SHLF, der Naturschutzgesetzgebung, der von Außenstehenden erarbeiteten mittelfristigen Forstplanung (Forsteinrichtung) und der Flora-Fauna-Habitatrichtlinien-Magementpläne (FFH) aus dem Europäischen Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Dies beinhaltet Vermeidung von Kahlschlägen, standortgerechte und möglichst heimische Baumartenwahl, einzelstammweise Nutzung, Förderung von Mischbeständen, Hoch- bzw. Auslesedurchforstung und möglichst Naturverjüngung.
Sehr stark beeinflusst wurde und wird die übliche Waldbewirtschaftung in letzter Vergangenheit durch den Sturm „Christian“ am 28.10.2013 und das seit ca. 10 Jahren auftretende Eschentriebsterben. Der Sturm hatte damals über ½ Million Festmeter (fm) Holz im Norden Schleswig-Holsteins geworfen oder gebrochen (im Rehberger Wald ca. 1000 fm) und damit viele Bestände unplanmäßig stark aufgelichtet. Das Eschentriebsterben und die ebenfalls durch denselben aus Japan stammenden Pilz „Hymenoscyphus fraxineus“ hervorgerufenen Stammfußschäden an der Esche führen zu immensen Zwangsnutzungen. Dies, bevor die Stämme faul und damit unverwertbar werden oder in Verkehrssicherungsbereichen ungeplant umbrechen. Beides lässt in der Folge in den lichten Beständen die Brombeere und andere unerwünschte Wildpflanzen gedeihen, die eine Baumverjüngung verhindern können. Daher werden viele Bereiche eingezäunt, um zumindest den Wildverbiss zu vermeiden und/oder mit standortgerechten Baumarten, z.B. Flatterulme, wieder bepflanzt. Es besteht auch die Hoffnung, dass sich aus den wenigen resistenten Eschen wieder eine eschengeprägte Waldvegetation entwickeln kann. Das wird aber sicher viele Jahre dauern.

Die Naturschutzfunktion  (am Beispiel des Rehberger Waldes) hat einen hohen Stellenwert.Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind hier nur einige Teilbereiche aufgeführt:
FFH-Ausweisung auf ganzer Fläche (200 ha) .
Als Naturwaldforschungsfläche der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt für die Perl- und Flattergras-Buchengesellschaften im nordöstlichen Hügelland dient die im Rehberger Wald liegende Naturwaldparzelle in Größe von 20,4 ha mit einer 1 ha großen gezäunten Kernzone (seit 1986 stillgelegt). Die Landesumsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) sieht für Schleswig-Holstein 10% Naturwald (=Stillegungsfläche) im öffentlichen Wald vor. Das entspricht ca. 8000 ha. Im Rehberger Wald wurden in diesem Zusammenhang weitere Naturwaldflächen ausgewiesen, die mittlerweile zusammen einen Anteil von 27% (= 54ha) ausmachen.
Aus ökologischen Gründen (z.B. Großvogelschutz für Uhu, Habicht, Wespenbussard…) erfolgt kein Holzeinschlag im Zeitraum von April-September.
Erhaltung eines Totholzanteils (stehendes und liegendes Holz) bis 5% des Holzvorrats unter Beachtung der Verkehrssicherungspflicht und Arbeitssicherheit.
Erhalt von Altholzinseln und Baumdenkmälern.
Ausweisung von mit Dreieck markierten, sogenannten „Habitatbäumen“ (bleiben bis zum natürlichen Zerfall in der Fläche: künftige Urwaldbäume) bis 30cbm je ha.
Erhalt und Pflege von Naturdenkmalen (Langbetten der Jungsteinzeit).
Förderung von Feuchtbereichen durch Wasseranstaumaßnahmen (bei Verbandsgewässern in Absprache mit den Wasser- und Bodenverbänden „Obere Treene“ und „Angelner Auen“.
Ca. 250 Vogel- und Fledermausnistkästen dienen dem Artenmonitoring. Häufigste Singvogelarten in den Kästen sind die Kohl-, Blaumeise, Trauerschnäpper und Kleiber. An Fledermausarten sind bisher Groß-Abendsegler, Rauhhautfledermaus, Braunes Langohr, Wasser-, Mücken- und Fransenfledermaus nachgewiesen.

Der Naturschutzverein Mittelangeln bietet unregelmäßig Führungen über die Försterei Satrup in Waldflächen der SHLF und daneben im Hechtmoor an, zu denen alle Interessierten herzlich willkommen sind und sich über Wald, Naturschutz  und Bewirtschaftung informieren können.